Gehölzschnitt - Wie schneidet man richtig ?

 

Gehölzschnitt - schon das Wort hört sich kompliziert an. Wer hat schon Lust das Buch der sieben Siegel zu öffnen, um am Ende vielleicht doch keine Antwort zu erhalten. Gehölzschnitt ist aber gar kein Zauberwerk. Eigentlich ist es sogar ganz einfach, wenn man nur ein paar Kleinigkeiten berücksichtigt und mit ein bisschen Menschenverstand zu Werke geht. In diesem Ratgeber geben wir Ihnen ein paar Tipps und leichte Hilfen für einen erfolgreichen Gehölzschnitt. Es wird Ihnen nach der Lektüre unseres Ratgebers leicht fallen den Gehölzschnitt in ihrem Garten selbst auszuführen.

Soll überhaupt geschnitten werden?

Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort ein klares JA! Sie tun ihren Pflanzen gutes wenn sie diese schneiden. Auch wenn vielleicht der ein oder andere Schnitt nicht professionell gesetzt ist, echte Fehler passieren nur im Ausnahmefall und es ist wohl auch noch nie passiert dass ein Schnitt Fehler nicht mehr wieder ausgeglichen werden kann. Ziergehölze profitieren durch den Schnitt. Wo in der Natur Tiere für eine Reduzierung der Triebe sorgen, hilft im Garten der Mensch. Im Gegensatz zu den Tieren des Waldes achten der Menschen beim Schnitt unserer Lieblinge aber natürlich auf den Sinn und das alles mit Verstand.

Grundlegendes

Bezüglich der Gehölzschnitt es gehen teilweise selbst die Meinung der Gärtner stark auseinander. Natürlich kann man sich in Details festbeißen und über die letzten Millimeter Schnittfläche diskutieren. Es geht sogar soweit dass es Verfechter unter den Gärtnern gibt die gar nicht schneiden, sondern der Meinung sind: Äste müssen gebrochen werden. Selbstverständlich werden wir in diesem Ratgeber eine solche Ansicht nicht verfolgen, wir werden uns aber auch nicht in Details verlieren.
Dass eine Schere oder ein Messer, mit dem der Schnitt ausgeführt wird, scharf und sauber sein sollte, versteht sich von selbst. Dass der Gesamtbestand leiden kann, wenn Werkzeug, das vorher zur Beseitigung von Obstbaumkrebs benutzt wurde, nun im gesamten Obstbaumbestand Verwendung findet nicht der richtige Weg sein kann, sollte einleuchtend sein.

Der richtige Schnitt

Bei den meisten Gehölzen muss man beim Schnitt nicht darauf achten ob man auf über oder unter dem Auge schneidet. Als Auge bezeichnet man die Triebknospe aus der sich ein neuer Ast oder eine neue Pflanzenspitze entwickelt.
Dies gilt neben den meisten Heckenpflanzen auch für Rosen oder Rhododendron. Entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung das Rosen nur sehr speziell und Rhododendron gar nicht zuschneiden sind, haben diese nämlich so viele schlafende Augen das ein exakter Schnitt auf Auge nicht unbedingt nötig ist.
Bei Bodendeckern und Stauden muss bei einem Rückschnitt lediglich die Basis stehen bleiben. Das heißt Einschnitt bis nahe dem Boden in Richtung Wurzel ist für die Pflanzen verträglich und lässt diese zukünftig üppig und voll sprießen. Einzig bei Obstgehölzen, Bäumen, Kletterpflanzen und Solitärsträuchern muss meist auf einen Schnitt "auf Auge" oder Form geachtet werden.

Pyramidal - so einfach geht das!

Wir wissen jetzt dass die meisten Pflanzen einfach in die gewünschte Form geschnitten werden können. Die wenigen Ausnahmen, wie Bäume, Obstgehölze und Solitärsträucher benötigen etwas mehr Aufmerksamkeit beim Schnitt. Sollte die Pflanze im natürlichen Aufbau eine Kugelform haben so schneidet man diese auch weiterhin als Kugel. Für die anderen Pflanzen wird ein pyramidaler Schnitt angewendet.

Pyramidal - die Schnitt-Ausführung

Hierzu sucht man die Mitte der Pflanze anhand ihres stärksten mittigen Triebes und bestimmt diesen zum Leittrieb. Dieser Leittrieb ist zukünftig der höchste Trieb der Pflanze. Alle anderen Triebe werden kürzer geschnitten als der Leittrieb. Dies gestaltet sich insofern einfach als dass man der Pflanze eine Pyramidenform gibt. Die Triebe um den Leittrieb herum werden also mit Gefälle etwa im 45° Winkel geschnitten. Dabei nimmt man die Zweige immer so weit zurück, dass der Schnitt etwa ein Zentimeter oberhalb eines nach außen zeigenden Auges ausgeführt wird.

Das Außenauge

Warum ist so wichtig ist dass das Äußere Auge als letztes Auge am Zweig stehen bleibt? Ganz einfach: alle Triebe wollen gewöhnlich nach oben wachsen, -in Richtung des Lichts. Damit dem Alter der Gehölze natürlich auch die Anzahl der Triebe zunimmt kann einen Raumgewinn nur nach außen stattfinden. Andernfalls entsteht bereits nach wenigen Jahren eine Kollision der einzelnen Äste. Bei Obstgehölzen hat der Schnitt auf außen Auge noch eine besondere Bedeutung. Die waagerechten Triebe einer Pflanze bilden nämlich am meisten Fruchtholz aus, weil der Zucker dort schnell transportiert werden kann. Durch den Schnitt auf außen Auge erhält man die meisten waagerechten Triebe bis diese sich dann der Sonne empor recken. Bis dies geschieht ist eine Menge Fruchtholz entstanden die eine reichhaltige Ernte garantiert.

Auslichten

Bei sehr alten Pflanzen tritt häufig das Phänomen auf dass diese nach außen hin schön grün sind aber in der Mitte komplett kahl. Besonders bei Obstgehölzen ist dies natürlich ein ungewünschter Zustand. Gerade dort wo später die Früchte hängen soll natürlich genug Blattmasse vorhanden sein um die Früchte mit dem nötigen Zucker zu versorgen. Hierfür muss genug Sonnenlicht in die Krone eindringen können. Nur so ist gewährleistet das auch die mittigen Blätter an der Pflanze verbleiben und nicht abgeworfen werden.

Reibende Äste

Sollte doch in der Vergangenheit einmal nicht auf das Schneiden nach Außenauge oder das Auslichten geachtet worden sein, so kann es durchaus sein das in der Mitte der Krone Äste sich berühren und angefangen haben sich aufzureiben. Sollte dies geschehen sein so muss einer der Äste entfernt werden. Da dies für ein sicheres Wachstum sehr tief geschehen muss ist häufig ein Schnitt auf Astring erforderlich.

Auf Astring

Jetzt geht es schon in die etwas tiefer liegenden Schnitttechniken. Bei der Ausführung eines Schnitts auf Astring bearbeitet man bereits sehr große Schnittflächen und Äste die durchaus schon einen beträchtlichen Teil der Pflanze bedecken. Der Astring ist der Teil der den Übergang zwischen einem verholzten Ast und einen stärkeren Ast beziehungsweise einem Stamm der Pflanze darstellt. Der glatte rindenbereich des Astes geht vor dem Zusammentreffen mit dem Stamm in einen Ringförmigen aufgerauten Bereich über der am Stamm wieder endet. Ein Schnitt mit der Gartenschere oder einer Säge sollte immer möglichst in diesem Bereich ausgeführt werden, da hier der Bereich mit der besten Heilungskraft gelegen ist.

Der weggeschnittene Astring

Falls ein Schnitt einmal falsch ausgeführt wurde und der Astring komplett entfernt ist, so sind die Chancen einer guten Wundheilung reduziert. Häufig ist dies der Fall weil Feuchtigkeit in dem beschädigten Bereich unter die Rinde gelangen kann. Im gesamten Stammbereich bildet sich dadurch eine Eintrittspforte für Pilzbefall und Krankheiten.
Der richtige Wundverschluss
Sollte der Astring nicht mehr vorhanden sein so empfehlen wir den beschädigten Bereich, welcher trocken sein sollte, mit einem Wundverschlussmittel zu verschließen.
Aststumpf
Sofern sich, durch einen entfernt vom Astring ausgeführten Schnitt, ein aststumpf in Form eines Hutnagels gebildet haben, so sollte dieser gleich mit einem Schnitt auf eben diesen Astring entfernt werden. Die "Hutnägel" haben nämlich die Angewohnheit besenartige Äste auszutreiben, welche zu vielen Problemen führen können.

Schnittausführung

Für den Schnitt von kleinen Ästen sollte man immer die Gartenschere verwenden. Hierbei ist zu beachten dass die Gartenschere an ihrer Schnittfläche zwei Seiten hat. Die untere Zunge bildet dabei keine Abstandshalter, sondern eine Gegenfläche zur Klinge welche oben angebracht ist. Die untere Zunge quetscht deshalb ein Teil der Schnittfläche zusammen. Dieser Teil muss natürlich auf der Seite des Schnittgutes liegen. Andernfalls würde der Baum oder Strauch nach dem Schnitt von Quetschwunden übersät sein. Zum Baum oder Strauch hin geht es also immer die Klingenseite zu richten.

Der Schnitt und die Wunde

Durch den Schnitt ist der Pflanze eine Wunde entstanden. Da Pflanzen aber von Natur aus häufig Opfer tierischer Schnittmaßnahmen sind können diese die Wunde schnell und effektiv schließen. Natürlich ist der Saftstrom der jeweiligen Jahreszeit entsprechend ausschlaggebend für ein gutes Verheilen oder starkes Bluten der Wunde.

Verletzung und Heilung – wann heilen Wunden am besten?

Wunden heilen am besten wenn diese möglichst klein gehalten werden. Obwohl sich die Meinungen der Gärtner unterscheiden kann man festhalten dass saubere Schnitte zu einem geringeren Infektionsrisiko und somit zu einer größeren und schnelleren Heilung beitragen. Wunden heilen grundsätzlich am besten wenn diese nicht ständiger Vernässung ausgesetzt sind. Sofern die Wunde auf der Wetterseite liegt oder durch andere Gegebenheiten dauerhaft feucht ist sollte diese ebenfalls mit einem Wundverschluss oder anderen Hilfsmitteln abgedeckt werden.

Wie verhält sich die Pflanze nach dem Schnitt?

Ein Schnitt tut Pflanzen wohl grundsätzlich gut. Pflanzen treiben durchgeschnittene erste deutlich stärker und gleichmäßiger aus. Einschnitt bietet der Pflanze eine willkommene Ruhepause im Wachstum. Oft ist zu beobachten das Pflanzen nach einer Schnittmaßnahme deutlich stärker und buschiger austreiben. Die durch den Schnitt verlorene Trieblänge ist schnell mit einer deutlich höheren Anzahl an Trieben wieder aufgeholt. Besonders in der Anwachsphase und in Stresssituationen profitieren Pflanzen von einem Rückschnitt ihrer Triebe.

Wasserreiser

Die aus einem Schnittbereich treibenden Wasserreiser sind meist sehr dünn und peitschenartig. Sie treiben strengen der Sonne entgegen und bilden deswegen keine stabilen Äste aus. Wasserreiser sind besonders bei Obstbäumen unerwünscht da sie dem Fruchtholz die Kraft rauben. In einem hohen Alter der Pflanze sind Wasserreiser häufig der Grund für Windbruch und Instabilität. Deshalb sollten die bleistiftdicken streng aufstrebenden Wasserreiser immer rechtzeitig aus den Pflanzenkronen entfernt werden.

Wildtriebe

Bei allen veredelten Pflanzen darunter besonders Obstgehölzen kann es durchaus sein das Triebe, ähnlich den Wasserreisern, in Bodennähe oder dicht unter der Krone aus der Pflanze sprießen. Es handelt sich hierbei um Wildtriebe. Viele Gartenpflanzen und eben besonders Obstgehölze stehe nämlich gar nicht auf der eigenen Wurzel. Ein Apfel mit einem guten Fruchtertrag muss eine Wurzel haben die in sehr gut versorgen kann. Hierzu werden starke Wildäpfel oder spezielle Unterlagen-Sorten verwendet. Der Nachteil dieser als Veredelung bezeichneten Vorgehensweise ist dass die Unterlage ab und an einmal ausbrechen möchte und eigene Triebe bildet. Für die Veredelung kann dies tödliche Folgen haben. Wildtriebe sollten deshalb frühzeitig bis zum Stamm entfernt werden. Lässt man Wildtriebe einfach weiter wachsen so würden sie die Veredelung übertrumpfen und diese zukünftig nicht mehr mit Wasser und Nährstoffen versorgen.

Kopfwunden

Kopfwunden entstehen nicht nur an der obersten Spitze eines Baumes oder Strauches beim Schnitt. Weitläufig muss als Kopfwunde jede Schnittfläche an einem senkrecht aufstrebenden Trieb bezeichnet werden. Wie bereits erläutert müssen Wunden frei von Feuchtigkeit gehalten werden. Kopfwunden sollten deshalb möglichst immer schräg angeschnitten werden. Hierdurch wird das anfallende Regenwasser schnell über das Gefälle des Schnittes abgeleitet und die Wunde trocknet zügig ab.

Krankheiten ausschneiden

Sollte doch einmal ein Krankheitserreger den Weg in Pflanzen Triebe gefunden haben so sollten diese großzügig weg geschnitten werden. Es empfiehlt sich dringend niemals direkt in einen Befall zu schneiden, da hierdurch der Befall erstens nicht entfernt und zweitens durch das kontaminierte Werkzeug bei jedem weiteren Schnitt vermehrt wird. Optische Befallsbilder sollten deshalb großzügig beschnitten werden.

Sommerschnitt

Ein Sommerschnitt ist jeden Hecken Besitzer wohlbekannt. Von etwa Ende Juni bis Ende August ist durch einen Schnitt ein hervorragendes dichtes Heckenwachstum gewährleistet. Doch auch bei Obstgehölzen ist ein Sommerschnitt sinnvoll, da er den Frucht Ertrag steigert. Bei Zierkirschen und besonders bei Mandelbäumchen wird der Sommerschnitt direkt nach der Blüte ausgeführt, um den Befall von Pilzen über die ab getrockneten Blüten zu verhindern.

Pflanzschnitt

Für Container Pflanzen und auch die meisten Ballenpflanzen ist ein Pflanzschnitt kein Thema.Ein Pflanzschnitt ist heutzutage nur noch bei Wurzelware nötig. Da die Wurzelware durch die Rodung oder Ernte einen Teil ihrer Wurzelmasse verliert, ist es nötig die oberirdischen Triebe und somit die Blattmasse etwas zurückzunehmen damit die Pflanze einen Verdunstungsschutz erhält.

Wurzelschnitt

Der Wurzelschnitt wird meist direkt in der Baumschule ausgeführt. Besonders bei wurzelnackten Pflanzen ist ein Wurzelschnitt häufig erforderlich. Doch auch für den Hobbygärtner ist die Ausführung eines Wurzelschnitt bei Containerpflanzen empfehlenswert. Pflanzen die im Containertopf gewachsen sind haben nämlich die Eigenart dass ihre Wurzeln ringförmig wachsen. Diese dann in ihrem neuen Domizil in das Pflanzloch gesetzt werden kann es sein dass das ringförmige Wachstum sich fortsetzt. Die Pflanze bildet somit über lange Zeit keinen ordentlichen Bodenhalt aus. Durch einen oder mehrere Schnitte in den Ballen des Containertopfes oder ein herausreißen einzelner Wurzelteile mit den Fingern wird die Wurzel aus dem ringförmigen Wachstum herausgebracht.